Trail West

Ausstellung vom 16.08. - 27.09.2015

Ausstellung vom 16.08. - 27.09.2015

​Zur Ausstellung:

Auf mehreren ausgedehnten Amerikareisen im Wohnmobil begeisterte er sich für die vielfältigen und außergewöhnlichen Landschaften der USA.

Die Ausstellung - TRAIL West - zeigt Bilder, die auf den letzten Reisen digital entstanden sind.

Themenschwerpunkte der Bilder:

Landschaft - Architektur - Technik

Foto-Technik:

Aufnahmen digital/farbig, mit Stativ, Vollformat (24 x 36), Auflösung 24 MP, Festbrennweiten,

Schwarzweiß-Konvertierung mit Lightroom und Photoshop

Präsentation:

Fine Art Print auf hochwertigem Baryt-Papier

Einführungsrede von Prof. Thomas Wagner

Die Eröffnungsrede der Vernisage können Sie hier herunterladen.

Besprechungen

Quelle: Starkenburger Echo vom 17. August 2015 - Astrid Wagner

Bizarre Landschaften im Spiel von Licht und Schatten

KULTUR Henner Kaiser präsentiert unter dem Titel „Trail West“ Schwarz-Weiß-Fotografien von seinen Reisen nach USA - Ausstellung bis 27. September

Heppenheim (rid). Es ist keine Ausstellung, durch die man einfach so hindurch schlendert. In jede einzelne der Fotografien von Henner Kaiser, die seit Sonntag unter dem Titel „Trail West“ im Marstall ausgestellt sind , kann man hinein tauchen, kann sich verlieren in ihrer Schönheit, in ihrer faszinierenden Tiefe. Gezeigt werden Schwarz-Weiß-Fotografien, Impressionen von Kaisers ausgedehnten Amerika-Reisen, meist Landschaften.

Bürgermeister Rainer Burelbach war sicher nicht der einzige, den angesichts der beeindruckenden Fotografien das Fernweh packte. Am liebsten, so der Eröffnungsredner der überaus gut besuchten Vernissage, würde man gerne direkt selbst dorthin fahren. Zu den Bildern meinte er: „Es ist Wahnsinn. Es sieht noch schöner aus als in echt.“

Wissen erworben bei vielen Workshops

Kulturdezernent Norbert Golzer, selbst ein begeisterter Fotograf, ließ den Blick zurück schweifen in die Geschichte der Fotografie.Doch auch wenn mit der Einführung der digitalen Fotografie vieles einfacher geworden ist, sei doch das Auge des Fotografen das Ausschlaggebende geblieben. Henner Kaiser, der sich seit Jahrzehnten mit der Fotografie beschäftigt, ist vor vier Jahren zur digitalen Fotografie gewechselt, wenn auch nach einigem Zögern. Im Laufe seines Schaffens hat er Lehrgänge und Workshops besucht, unter anderem in Amerika bei Duane Michaelis und Abe Frajndlich.

Der Journalist und Kunstkritiker Thomas Wagner sollte eigentlich die Einführung in die Ausstellung sprechen, war aber kurzfristig verhindert. An seiner Stelle übernahm es Christopher Hörst, die Gedanken des Kritikers zu verlesen. Am Beginn der Ausstellung, die sich über zwei Stockwerke zieht, steht die in die Jahre gekommene Leuchtschrift „Trail West“ aus Nashville Tennessee. Der Titel der Ausstellung ist zugleich Ausdruck einer der amerikanischen Träume.

Die Fotografien, so Wagners Worte, seien das Ergebnis einer „Reise des Auges“ - „des präzisen Auges der Kamera und des aufmerksamen Blicks des Fotografen“. Die digitalen Aufnahmen in Farbe, so viel nur zur Technik, hat Kaiser mit Stativ fotografiert, im Vollformat (24 mal 36 Millimeter), in der Auflösung von 24 Megapixel mit Festbrennweiten; für die Konvertierung in Schwarz-Weiß-Fotos hat er die Programme Lightroom und Photoshop verwendet. Die Fotos sind auf hochwertigem Baryt-Papier gedruckt.

Autowracks und verfallenen Häuser

Bei seiner Motivsuche ist Kaiser eingetaucht in die bizarren Landschaften der amerikanischen Naturparks. Kakteen im Licht-Schatten-Spiel, beeindruckend Wolkenformationen, die die Naturkulisse niemals gleich aussehen lassen. Viel Morbides geriet ihm vor die Linse: Autowracks, verfallene Häuser, alles nicht plakativ abgelichtet, sondern mit einer atemberaubenden Tiefe. Lichtreflexe auf der Salzkruste im Death Valley vor beeindruckender Bergkulisse.

Der Berglöwe, der aus seiner Höhle (freilich in einem Zoo) schaut, den fotografierenden Eindringling ganz offensichtlich warnend: „Bis hierhin und nicht weiter“.

Die weißen Dünen „White Sands“ von Alamogordo, New Mexiko muten an wie Schnee. Auch hier wieder faszinierend das Licht-Schatten-Spiel.

Das verrostete Wrack eines Trucks in Utah wird eins mit den bizarren Felstürmen im Hintergrund. Fast als gehöre beides untrennbar zusammen. Das moderne Getty-Museum neben der Fotografie eines verfallenen Gebäudes in Pueblo-Architektur. Gegensätze, wie sie kaum größer sein können. Und doch ein harmonisches Ganzes.

Der Fotograf verzichtet fast komplett auf die Ablichtung von Menschen oder Tieren, er lässt die Natur sprechen. Der Straßenmusiker in New Orleans und der Berglöwe sind die einzigen abgebildeten Lebewesen.

Das Auge des Betrachters kann die unendliche Tiefe mancher Bilder kaum erfassen, wie etwa das des Flusses, der sich im Goosenecks State Park in Utah im Lauf der Jahrtausende immer tiefer in die Felsen gefressen hat. Die unzähligen schroffen Spitzen und Zacken der Felsformation des Bryce Canons, bizarr, wie sie nur die Natur erschaffen kann, kennen viele von ihren Reisen. Doch im Zusammenspiel mit dem Licht, den Schatten, die die Wolken werfen, wird daraus ein Kunstwerk.

Westwärts: Sinnbild für einen Traum

Der Blick auf einen Eisenbahnzug, tief unten im Tal, ist ein Sinnbild für den amerikanischen Traum, westwärts zu kommen, egal, wie groß der Aufwand, egal wie groß die Entbehrungen. Henner Kaiser hat den Mythos Amerika mit all seinen Widersprüchen, seiner Melancholie und seiner Schönheit festgehalten.

Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage im Marstall des Kurmainzer Amtshofs von Stefan Ivan Schäfer und Christoph Victor Kaiser, Henner Kaisers Sohn. Amerika und der Jazz - auch das ist untrennbar miteinander verbunden. Und so kamen Augen und Ohren gestern bei der Vernissage gleichermaßen auf ihre Kosten.